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Ein Buch soll eine Stadt verbinden

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Ein Buch, viele Perspektiven – und eine Stadt, die darüber ins Gespräch kommt: In Bochum startet ein neues, besonderes Kulturprojekt. Mit „Eine Stadt liest ein Buch“ soll erstmals gemeinsam ein Buch gelesen und entdeckt werden. „Ich finde diese Idee aus anderen Städten wirklich toll. Und wir machen es jetzt auch in Bochum“, sagt Schirmherrin Sonja Gräf.


Das Ziel: Bochumerinnen und Bochumer lesen dasselbe Buch – jeder für sich, wie es passt – und kommen darüber bei gemeinsamen Veranstaltungen ins Gespräch. Vom 1. bis zum 22. November – dem Bundesweiter Vorlesetag – gibt es dann rund um dieses Buch zahlreiche Veranstaltungen. „Ich bin mir sicher, es bringt in der ganzen Stadt verschiedene Literatur-Instrumente zusammen“, sagt die Ratsfrau aus Dahlhausen.


Die Idee hat eine internationale Vorgeschichte. Seit 1998 findet sie unter dem Titel „One City, One Book“ in Seattle statt. In Deutschland gibt es das bereits in Hamburg oder Köln. Die Initiative für Bochum geht auf Erdmann Linde zurück, der sich seit Jahrzehnten für Literatur engagiert. Der 82 Jahre alte frühere EU-Politiker und TV-Journalist erinnert sich: „Es war 2024 bei einer Bürgerkonferenz der SPD, da bin ich auf Sonja zugegangen und habe gesagt: ‚Das könnte man doch auch mal in Bochum machen.‘ Ich selbst habe ja eine Liebe zu Büchern.“


Seine Motivation: „Es muss doch auch in Bochum etwas anderes geben als die ‚Literarische Gesellschaft‘ oder den Buch-Club vor Ort. Etwas, das überschwappt und breit angelegt ist“, sagt Linde. Gräf hat den Vorschlag gerne aufgenommen und ins Rathaus getragen. „Keiner hat gesagt, er findet das doof. Aber es gab Zweifel, wie das organisiert und finanziert werden könnte. Darum ist lange Zeit nichts passiert“, berichtet sie. Inzwischen hat das Projekt aber Fahrt aufgenommen.

 

Welches Buch gelesen werden soll, wird im Mai bekannt gegeben. Die Auswahl hat eine fünfköpfige Jury getroffen. Die Kriterien waren klar: Ein Buch, das über alle Altersgrenzen hinweg viele Menschen anspricht, die Autorin oder der Autor muss deutschsprachig sein und noch leben, damit sie oder er nach Bochum eingeladen werden kann. Es soll außerdem kein Werk mit direktem Bochum-Bezug sein. „Wir wollen das Fenster weit aufmachen und keinem auf den Schlips treten“, sagt Linde. „Es ist ein tolles Buch geworden“, verrät Gräf.

Nun laufen die Planungen für das Programm rund um das Buch. Die Volkshochschule plant beispielsweise Kurse wie „Schreibtraining“. In der Stadtbücherei könnte ein Lesemarathon stattfinden, bei dem Prominente das Buch abwechselnd vorlesen. Auch in Schulen könnte das Buch im Deutschunterricht Thema werden – ergänzt durch Besprechungen und Begegnungen an unterschiedlichsten Orten.

Dass so über Literatur Menschen miteinander ins Gespräch kommen, die sonst wenig Berührungspunkte haben, kann sich Buchhändlerin Carola Mirhoff gut vorstellen. „Es kommt darauf an, wo etwas stattfindet. Wenn man andere Orte als eine Buchhandlung oder die Bücherei nutzt – etwa Cafés oder Vereinsheime –, wird das spannend. Dann erreicht man sicherlich auch anderes Publikum“, sagt sie.

Genau das sei das Ziel, so Gräf: „Alles ist möglich, ob klassische Lesung im Buchhandel, sich gegenseitig im privaten Kreis vorlesen oder Themenabende rund um das Buch.“ Selbst ein Abstecher auf die Theaterbühne ist nicht ausgeschlossen, denn das ausgewählte Buch wurde bereits adaptiert. Fest steht auch, dass die Autorin oder der Autor selbst nach Bochum zur Lesung kommen wird.

Für Linde ist „Bochum liest ein Buch“ mehr als nur eine Veranstaltungsreihe: „Das ist auch ein Zeichen für eine Stadt, die das Buch in ihrem Wappen trägt.“

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