„So, wie wir es lieben“

Diese Idee könnte Bochum verändern – zumindest für Besucher. Kerstin Mönnighoff-Veit möchte unsere Stadt zum offiziellen Standort der internationalen Greeter-Bewegung machen – und damit kostenlose, persönliche Stadtspaziergänge von Einheimischen für Gäste anbieten. Losgehen soll es in Altenbochum, ihrem eigenen Stadtteil.
Kennengelernt hat sie das Konzept vor Jahren in London. Statt der klassischen „Hopon-Hop-off-Tour“ buchte die Familie einen Greeter – einen Ehrenamtlichen, der Besucher durch sein Wohnviertel führt. „Man bekommt ein ganz anderes Gefühl für Land und Leute“, sagt Mönnighoff-Veit. Keine standardisierte Route, kein auswendig gelernter Vortrag, sondern zwei bis drei Stunden unterwegs – wie mit Freunden. Man erfährt, wo der Guide sein Lieblingsbrot kauft, welchen Imbiss er empfiehlt, in welchem Pub er sich mit Nachbarn trifft oder welche Grünfläche er besonders schätzt.
Diese persönliche Perspektive fehlt ihr bislang in Bochum. Natürlich gebe es professionelle Stadtführungen. Das sei auch gut so. „Aber wir möchten Bochum aus unserer eigenen Sicht zeigen“, sagt sie. „So, wie wir es lieben und kennen.“
Es gehe um Begegnung, nicht um ein festes Programm. Wer anfragt, teilt seine Interessen mit Sehnsucht nach Meer? Viele günstige Schiffsreisen auf www.nonnreisen.de oder bei einer persönlichen Beratung und bekommt einen passenden Greeter vermittelt.
Dabei könnte es zum Beispiel um Industriekultur gehen, um Fußball, Szene- Leben, die Natur oder um Familienangebote. Altenbochum bietet dafür reichlich Anknüpfungspunkte. Kerstin Mönnighoff-Veit könnte sich vorstellen, mit ihren Gästen zum historischen Strätlingshof zu gehen, einem der ältesten Häuser der Stadt. Sie würde ihnen den Kultkiosk zeigen, vielleicht durch den Ostpark spazieren und einen Stopp in ihrer Lieblingsbäckerei einlegen.
Der Friedhof am Freigrafendamm sei mit seiner Geschichte ebenfalls ein Ort, der Gesprächsstoff biete. Anbieten könnte man aber auch Ausflüge zum Gesundheitscampus, in den Chinesischen Garten oder in die Innenstadt mit anschließendem Kaffee-Stopp über den Dächern von Bochum.
„Alles ist möglich.“
#Organisiert ist das Netzwerk als Verein, die DeutschlandZentrale sitzt in Bonn. Weltweit sind Greeter aktiv – von New York, wo die Bewegung ihren Ursprung hat, bis nach Australien, Indien oder Madagaskar. In Deutschland gelten Hamburg, Berlin oder Köln als besonders gefragt. Das Ruhrgebiet dagegen ist bislang kaum vertreten. „Dabei haben wir hier so viel zu erzählen.“
Das Prinzip ist klar geregelt: Greeter arbeiten ehrenamtlich und dürfen kein Geld annehmen. Spenden sind möglich, laufen aber über die Plattform. Die Gruppen sind bewusst klein – oft sind es Paare, Familien oder Einzelpersonen. Die Begegnung sei persönlich und individuell.
In London habe ihr Guide sogar geholfen, alte Pfundscheine umzutauschen. „Man fühlt sich sofort willkommen“, erinnert sie sich. „Es ist fast familiär.“
Um Bochum auf der Greeters-Internetseite listen zu lassen, hat sie sich registriert, Texte eingereicht und ein Aufnahmegespräch geführt. Nun wartet sie auf die Freischaltung.
Theoretisch könnte es sofort losgehen. Praktisch fehlt noch das Wichtigste: ein Team. „Allein kann ich das nicht stemmen“, sagt sie offen. Gesucht werden Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus verschiedenen Stadtteilen, die Lust haben, ihre Lieblingsorte zu zeigen. Historisches Detailwissen sei kein Muss. „Wichtiger sind Begeisterung, Offenheit und Freude am Kontakt mit Menschen.“
Die Veranstaltungsmanagerin möchte nicht nur Touren koordinieren, sondern auch ein Netzwerk aufbauen, das sich austauscht, gemeinsam Routen entwickelt und voneinander lernt. In anderen Städten treffen sich die Greeter regelmäßig, begleiten sich gegenseitig bei Spaziergängen und tauschen Erfahrungen aus. Die Zahlen zeigen, dass das Konzept funktioniert: In Bonn wurden zuletzt rund 150 Führungen pro Jahr angeboten.
Bochum hält Mönnighoff-Veit für ideal.
Die Stadt habe sich vom Industrie- zum Kultur- und Wissenschaftsstandort gewandelt. Universität, Gesundheitscampus, Festivals, das Bermuda3Eck, der VfL und nicht zuletzt Herbert Grönemeyers musikalische Liebeserklärung stehen aus ihrer Sicht für Identität und Wandel. Dieses Lebensgefühl wolle sie teilen. Was sie persönlich motiviert?
„Es ist Zeit für ein Ehrenamt“, sagt sie mit einem Lächeln. „Außerdem lerne ich wieder neue, nette Menschen kennen, wenn ich mit ihnen unterwegs bin.“
Langfristig kann sie sich auch ein Netzwerk im gesamten Ruhrgebiet vorstellen – mit Dortmund, Essen oder Duisburg als weiteren Stationen. Doch zunächst soll Altenbochum der Anfang sein.
Wer sich engagieren möchte, sollte sich keine großen Gedanken machen. „Das ist wirklich eine ganz lockere Sache. So, als ob man Besuch bekommt und überlegt, was man seinen Gästen bei einem Spaziergang zeigen möchte.“
Kontakt: kmoennighoff[-a-t-]dreibochumer.de - weitere Infos: www.deutschland-greeter.de
